Google straft Beliebigkeit ab. Das Werkzeug ist egal
Googles Haltung zu KI-Texten ist seit Jahren dieselbe, und sie ist erstaunlich nüchtern. In den eigenen Richtlinien steht sinngemäß: Wie ein Text entsteht, ist egal. Entscheidend ist, ob er für Leser einen Wert hat oder nur dazu da ist, ein Ranking zu erschleichen. Im März 2024 hat Google diese Linie scharf gezogen und eine Regel gegen “scaled content abuse” eingeführt, das massenhafte Ausspielen wertarmer Seiten.
Das Kluge an dieser Regel ist, dass sie das Werkzeug bewusst ausklammert. Sie greift bei Massenware, die eine KI erzeugt, genauso wie bei Massenware, die ein Heer schlecht bezahlter Texter herunterschreibt. Das erklärte Ziel war, vierzig Prozent der minderwertigen Ergebnisse zu verdrängen. Am Ende wurden es fünfundvierzig. Ein knappes Jahr später, im Januar 2025, zog Google nach und wies seine Qualitätsprüfer ausdrücklich an: Eine Seite, deren Inhalt fast vollständig von einer KI stammt und kaum Eigenes beiträgt, bekommt die schlechtestmögliche Bewertung.
Die Website mit den 850.000 Seiten fiel also nicht, weil eine KI sie geschrieben hatte. Sie fiel, weil niemand etwas hinzugefügt hatte, das es ohne sie nicht schon hundertfach im Netz gab. Und der Sturz endete nicht bei Google: Dass die Domain gleichzeitig aus den ChatGPT-Antworten verschwand, zeigt, wie eng beide Welten inzwischen zusammenhängen. Wer bei der Suche durchfällt, fällt oft auch bei der KI durch.
Warum 2025 ausgerechnet “Slop” gewann
Es gibt ein Wort, das den Zustand des Netzes gerade ziemlich genau beschreibt. Merriam-Webster, eines der großen amerikanischen Wörterbücher, kürte im Dezember 2025 “slop” zum Wort des Jahres und definierte es als digitalen Inhalt von geringer Güte, meist in Masse von künstlicher Intelligenz erzeugt. Ein Wörterbuch reagiert spät, nicht früh. Wenn ein Begriff es dorthin schafft, hat das Phänomen die Nische längst verlassen.
Lily Ray, die bei der Agentur Amsive die Suche analysiert, beschreibt die Folge so: Generative KI habe den immer gleichen Kreislauf verschärft, das Netz mit wiederholtem, wertarmem Inhalt geflutet und Google damit zu härteren Maßnahmen gezwungen.
Die Flut hebt die Messlatte für alle. Wenn das Netz mit Mittelmaß volläuft, wird das, was wirklich hilft, wertvoller und seltener. Genau darauf richtet Google seine Updates aus. Für ein ehrlich arbeitendes Unternehmen ist das eher eine gute Nachricht als eine schlechte.
Auch ich benutze KI. Das ist nicht der Punkt.
Es wäre unredlich, diesen Text zu schreiben und so zu tun, als rührte ich keine KI an. Ich tue es. Nicht, um Texte am Fließband zu erzeugen, sondern um Recherche zu beschleunigen, Formulierungen gegeneinander zu stellen, Strukturen zu prüfen. Der Unterschied liegt nicht im Werkzeug. Er liegt darin, ob am Ende etwas steht, das es ohne diese Seite, ohne diesen Kopf dahinter, so nicht gäbe.
Das ist auch die Grenze, an der sich entscheidet, ob KI-Einsatz Ihrem Ranking nützt oder schadet. Sie verläuft nicht zwischen “von Hand” und “von der KI”, sondern zwischen Sorgfalt und Beliebigkeit.
| Brauchbarer Einsatz | Slop |
|---|---|
| KI für Recherche, Entwurf, Varianten | KI als alleiniger Verfasser, ungeprüft |
| Ein Mensch prüft die Fakten und verantwortet sie | Fakten werden übernommen, ohne sie zu prüfen |
| Eigener Blickwinkel, eigene Daten, eigene Erfahrung | Umformuliertes, das anderswo längst steht |
| So viele Seiten wie nötig | So viele Seiten wie möglich |
| Ziel: Der Leser ist hinterher klüger | Ziel: Die Suchmaschine ist ausgetrickst |
Ab August schaut nicht mehr nur Google hin
Diese Linie zwischen Sorgfalt und Beliebigkeit findet sich ab dem 2. August 2026 auch im Gesetz wieder. Der EU AI Act verlangt dann, KI-Texte zu Themen von öffentlichem Interesse zu kennzeichnen, befreit davon aber jeden, der den Text inhaltlich prüft und die Verantwortung dafür übernimmt. Bemerkenswert ist, wie genau das zusammenfällt: Was Sie vor einer Google-Abwertung schützt, ist fast dasselbe, was Sie von der Kennzeichnungspflicht befreit. Redaktionelle Kontrolle. Die Details stehen im eigenen Beitrag zum AI Act.
Danny Sullivan, Googles Stimme nach außen, fasst den ganzen Wirbel entwaffnend einfach zusammen: SEO für KI sei immer noch SEO. Man solle für Menschen schreiben, nicht für Ranking-Systeme, gleich ob dahinter die klassische Suche oder ein Sprachmodell steht.
Wenn Sie KI einsetzen wollen, ohne Ihr Ranking zu riskieren
Die Frage ist selten, ob man KI nutzt, sondern wie. Wer Inhalte aufbauen will, die der Suche und den KI-Diensten standhalten, braucht jemanden, der die Linie kennt und sie auch unter Zeitdruck hält. Genau dort fängt meine Arbeit an. Reden wir.
Häufige Fragen
Bestraft Google Texte, die mit KI geschrieben wurden?
Nein, nicht wegen des Werkzeugs. Google bewertet, ob ein Text Lesern einen Wert bietet, unabhängig davon, wie er entstanden ist. Bestraft wird massenhaft erzeugter, beliebiger Inhalt ohne Mehrwert, und das trifft von Menschen heruntergeschriebene Massenware genauso wie KI-Texte.
Warum ist dann eine ganze Website aus dem Index geflogen?
Weil ihre Inhalte zwar in riesiger Zahl, aber ohne eigenen Wert produziert wurden. Google nennt das “scaled content abuse”. Dass die Seiten von einer KI stammten, war nicht der Grund, sondern nur die Methode, mit der die Beliebigkeit in die Masse ging.
Kann ich KI gefahrlos für meine Website-Texte nutzen?
Ja, solange ein Mensch die Fakten prüft, einen eigenen Blickwinkel beisteuert und die Verantwortung übernimmt. KI als Werkzeug für Recherche, Entwürfe und Varianten ist unproblematisch. Riskant wird es erst, wenn niemand mehr hinsieht und Seiten nur noch in die Masse gehen.
Muss ich KI-Texte ab August 2026 kennzeichnen?
Nur in engen Fällen. Der AI Act verlangt eine Kennzeichnung für KI-Texte zu Themen von öffentlichem Interesse. Wer den Text inhaltlich prüft und verantwortet, ist befreit. Gewöhnliche Marketing- und Produkttexte fallen ohnehin nicht unter diese Pflicht. Mehr dazu im eigenen Beitrag zum AI Act.
Schadet KI-Content auch meiner Sichtbarkeit in ChatGPT und Perplexity?
Er kann es. Im dokumentierten Fall verschwand die abgestrafte Seite kurz nach dem Google-Penalty auch aus den ChatGPT-Antworten. Wer bei der klassischen Suche als wertarm gilt, wird auch von den KI-Diensten seltener als verlässliche Quelle herangezogen.
Wie viel KI-Inhalt steckt überhaupt in den Suchergebnissen?
Auswertungen schätzen den Anteil in den oberen Google-Treffern auf knapp ein Fünftel, mit leicht sinkender Tendenz, seit Google strenger durchgreift. Diese Zahlen stammen aus automatischer KI-Erkennung und sind als Größenordnung zu lesen, nicht als exakte Messung.